"Hochzeit bei Zickenschulze" ist eine Parodie aus den 20er Jahren auf das
Marsch-Couplet "Jahrmarktsrummel", welches von Paul Lincke im Jahre 1900
komponiert und getextet wurde. Der Schauspieler, Kabarettist, Komiker und
volkstümliche Vortragskünstler Fredy Sieg wurde am 28.09.1878 geboren und
verstarb am 26.02.1962 in Berlin.
Hochzeit bei Zickenschulze
Kinnerkinns, seid bloss nicht dumm, looft nich lange ledig rum!
Heiraten is manchmal schön, m ick hab`s neulich erst jeseh`n.
Zickenschulze aus Bernau nahm sich schon die vierte Frau, und nun hab`n wir dann die Nacht ooch die Hochzeit mitjemacht. Ach war det
da jemütlich, hab`n wir uns wohljefühlt! Jejessen und jetrunken und
ooch verrückt jespielt. Jeknutscht mit kleene Meechen, jetanzt mit
schönen Frau`n, und zwischendurch, da hab`n sich een paar ooch mal
jehau`n.
Schulzes Tante Lieselott fiel`n die Zähne ins Kompott, und ihr Mann
aß seinen Fisch halb im Dusel unterm Tisch. Und ick hab mir unentdeckt
zwölf Zijarren injesteckt, gerne hätt ick ja noch mehr, bloß die Kiste
war dann leer. Schulzes Schwiegermutter steppte mit Herrn Bock und
verlor dabei ihr`n woll`nen Unterrock. Und der Großpapa hat wie verrückt
gejazzt, dabei is ihm die Hosennaht jeplatzt.
Bei der Kaffeetafel dann fing der Fez erst richtig an, denn der
Klempnermeister Rau, der war schon jehörig blau, und er brüllte:
Hoppsassa, jetzt spiel`n se Valencia. Olle, komm, du kannst wat lern
ick tanz jetzt mit dir modern. Nu wollt er rechtsrum tanzen, da
hat es nich jeklappt, nu wollt er`s links probieren, da hat er Pech
jehabt. Ein Blech mit Pflaumenkuchen, schön delikat und frisch, blieb
ihm am Gehrock hängen und fiel dabei vom Tisch.
In demselben Augenblick rutscht der Klempner nu zurück über`n Pflaumenkuchen
aus und macht Marmelade draus. Haut dabei im Angstgefühl, weil er sich wo
halten will, einem Kellner, der da stand, `n vollen Milchtopp aus der Hand.
Und die janze Milch, det war direkt zum Schrei`n, floß der Klempnerfrau in`n
Blusenausschnitt rein. Und ick fand det ooch noch jar nich mal verkehrt,
denn die Milch, die wußte, wo se hinjehört.
Nach dem Pflaumenkuchenfall, da jab`s `nen anderen Krawall. Zickenschulze schrie
voll Schreck: Kinner, meene Frau is weg!
Und nun suchten alle Mann, und im Jarten
war se dann, wo se heimlich ungeniert mit ihrem Schwager rumpoussiert. Voll Wut
nahm Zickenschulze `ne Latte von dem Zaun und hat damit den Schwager und ooch die
Frau verhau`n. Und alle Hochzeitsjäste die nahmen nun Partei, und binnen zwee
Minuten jab`s die schönste Klopperei!
Als ick sah wie alles knufft, dacht ick: Hier is dicke Luft! Und ick schlängelte
wie`n Aal mich nach rückwärts in den Saal vorsichtshalber an die Wand, wo dit volle
Bierfaß stand. Und ick dachte: Haut euch man, ick fang jetzt zu picheln an!
Doch bald herrschte wieder Einigkeit im Saal, und nu freu`n sich alle schon auf`s
nächste Mal.
Wenn sich Zickenschulze wieder scheiden lässt -- Kinnerkinns, dann jibt`s
noch mal so`n schönet Fest!